Warum das Präsidium der Kirchenpflege kein Pfarramt ist – und nicht sein soll

Die Kirchgemeinde Zürich wählt im Frühling eine neue Kirchenpflege. Das ist ein guter Moment, um eine Frage zu stellen, die selten explizit diskutiert wird: Wer soll das Präsidium übernehmen – und warum eigentlich ein Gemeindeglied und keine Pfarrperson?
Ich bin überzeugt: Das Präsidium gehört in Laienhände. Nicht als Kompromiss, sondern aus Überzeugung.

Zwei Dienste – eine gemeinsame Kirche
Die reformierte Tradition kennt eine kluge Unterscheidung. Pfarrpersonen sind ordiniert zur Verkündigung, zur Seelsorge, zur Feier der Sakramente. Die Kirchenpflege trägt Verantwortung für die institutionelle Leitung der Gemeinde: Strategie, Finanzen, Personal, Liegenschaften. Diese beiden Aufgaben sind nicht hierarchisch gestaffelt – sie sind einander zugeordnet. Die KGZ lebt diese Komplementarität täglich. Wer das Präsidium mit einem Pfarramt verbindet, bringt beide Rollen in eine Schieflage, die weder dem Amt noch den Menschen darin guttut.

Vier Pfarrpersonen sind bereits dabei
Nun könnte man einwenden: Braucht es nicht theologischen Sachverstand an der Spitze? Doch dieser ist in der Kirchenpflege der KGZ strukturell gewährleistet – durch vier delegierte Pfarrpersonen, die aktiv an den Sitzungen mitwirken. Sie bringen Orientierung in normativen Fragen, verankern Entscheide im kirchlichen Auftrag und halten die Verbindung zwischen Gremienarbeit und Gemeindepraxis lebendig. Ein präsidiales Pfarrmandat wäre da nicht Ergänzung, sondern Dopplung.

Das Priestertum aller Gläubigen – mehr als eine schöne Formel
Das reformierte Grundprinzip des allgemeinen Priestertums bedeutet: Gemeindeglieder tragen echte Verantwortung für das Ganze. Das Präsidium durch ein Gemeindeglied ist kein Notbehelf, wenn keine Pfarrperson verfügbar ist. Es ist der institutionelle Ausdruck einer tiefen Überzeugung darüber, was Kirche ist: keine klerikale Veranstaltung, sondern eine gemeinsam getragene Sache.
Die KGZ hat in den vergangenen Jahren viel in Professionalität, Transparenz und klare Strukturen investiert. Die Besetzung des Präsidiums durch ein Gemeindeglied gehört zu diesen Strukturen – sie verdient nicht nur Akzeptanz, sondern Verteidigung.
Bei den bevorstehenden Wahlen liegt es auch an uns, das mitzudenken.

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